körpertherapeutisches glossar

was bedeutet therapie, die begriffserklärung: diener, gefährte ( von gr: therapon), jemand der auf dinge hinweist, die mensch (bei sich selbst) nicht sieht, bzw. möglichkeiten offenbart und hilfe zur umsetzung anbietet.

abhängigkeit hemmungsloser und selbstverletzender zwang.

abwährmechanismen formen der verdrängung, bei denen vermieden wird, was unangenehm oder bedrohlich für das selbst ist: verleugnung, unterdrückung, intelektualisieren und projektion.

achtsamkeit eine form meditativer verkörperter selbstwahrnehmung.

ausserkörperliche erfahrung (out of body experiences): zustand, bei der man das selbst erfährt, als befände sich an einem weit entferntem ort. affektregulation

als affektregulation wird die fähigkeit von menschen, ... siehe auch affektkontrolle.



bedrohung die gefühlte wahrnehmung von angst, das die eigene person oder ihr besitz oder jemand nahestehendes angegriffen wird und in gefahr ist, körperlich oder psychisch schaden zu nehmen.

begriffliche selbstwahrnehmung was man über sich im bereich der konzepte denkt. sie unterwirft sich den regeln von grammatik, ursachen und logik und ist nicht direkt mit den gefühlen des eigenen körpers verbunden.

bindung die längerfristige emotionale beziehung zwischen individuen. sie basiert sowohl auf dem antrieb, sicherheit miteinander zu finden als auch auf dem bedürfnis, koregulierende kommunikation von bewegung und berührung in vertrauter nähe zu haben.

dissoziation abtrennung von der verkörperten selbstwahrnehmung nach einer bedrohlichen oder gewalterfahrung. gefühle, gedanken, bedeutungen und erinnerungsinhalte zum ursächlichen ereignis sind nicht mehr verfügbar oder dem nicht zuzuordnen; der körper trennt sich gewissermassen von seinen empfindungen.

dopamin ein neurotransmitter, der in beziehung steht zur aktivierung der gefühle von vergnügen, genuss und der motivation, aktivitäten auszuüben, die zu solchen gefühlen beitragen.

empfindung jede interozeptive sensation, die von unserem eigenen körper kommend erlebt wird. empfindungen können kribblig, warm, ruhig, nervös ... sein.

emotion eine verkörperte erfahrung, die wiedergibt, wie gut oder schlecht sich etwas für uns anfühlt, auch als wert von lust oder unlust bekannt. es besteht eine motivation oder ein antrieb, sich gegenüber der empfindung, der sache oder dem wesen, das die emotion auslösen scheint, in besonderer weise zu verhalten.

engagement die beschäftigung mit allen formen der verkörperten selbstwahrnehmung in zeiten von empfundener sicherheit. begriffliche selbstwahrnehmung gekoppelt mit verkörperter selbstwahrnehmung, normale formen der absorption (fokussierte aufmerksamkeit und flow) und soziales engagemant mit anderen im subjektiven emotionalen augenblick.

erholsame umwelt eine umgebung diese uns mehr in kontakt mit uns selbst bringt und uns dadran erinnert, was im leben wichtig ist und das gefühl von sich verbunden fühlen mit anderen oder mit der natur fördert.

gefühl siehe empfindung.

interozeption die fähigkeit, die eigenen inneren körperzustände, wie heiss/kalt, schmerz, atmung, wahrzunehmen.

johari fenster

das johari fenster wurde 1955 von den amerikanischen sozialpsychologen joseph luft und harry ingham entwicklet. aus den vornamen dieser beiden personen wurde der name abgeleiten. das johari fenster wird vor allem zur erklärung des *blinden fleck eines menschen herangezogen.
das johari fenster verdeutlicht, dass "selbstwahrnehmung" und "fremdwahrnehmung" sich in aller regel nicht entsprechen. der betroffene nimmt sich selbst anders wahr, als ihn andere personen wahrnehmen können.
das johari-fenster als analysemodell kann auf einzelpersonen und auf teams angewandt werden. gerade in gruppendynamischen prozessen, wie z.b. in einem projektteam, kommt es darauf an, das sich die mitglieder einer gruppe authentisch wahrnehmen und einander vertrauen können. die absicht dieses modells ist es, den persönlichen handlungsspielraum transparenter und weiter zu gestalten.

koregulation die fähigkeit, mit der verkörperten selbstwahrnehmung einer anderen person über die eigene interozeptive und körperschema-selbstwahrnehmung in resonanz zu gehen.

körperhaltung das selbst ist mit seinem ganzen körpereinsatz daran beteiligt wechselnde bewegungskonfigurationen (z.b. beim tanzen, singen oder musitzieren) und positionen (z.b im stehen sitzen oder liegen) aufrechtzuerhalten.

körperschema der teil der verkörpertrer selbstwahrnehmung, mit dem wir spüren können, das unser körper zu uns und niemand anderem gehört. es gibt uns ein gefühl von bewegung und balance, unsere fähigkeit, verschiedene teile von uns selbst zu orten, unsere körpergrösse und form zu spüren und das bewusstsein von den grenzen unseres körpers, die uns von anderen objekten und körpern trennt.

lauschende berührung eine andere person mit sanften händen und mit fühlbarer aufmerksamkeit für ihre körperliche und emotionale verfassung berühren.

loslassen die erlaubnis, sich auf erholung, engagement und normale absorbtion im subjektiven emotionalen augenblick einzulassen. loslassen umfasst auch folgende fähigkeiten: aus der "tretmühle des lebens" aussteigen können, sich um sich selbst kümmern können, sich für andere begeistern können, eigene grenzen akzeptieren können, sich selbst in vergnüglicher kreativität und selbstentdeckung verlieren können.

normale absorbtion die erfahrung, sich in einer aktivität zu verlieren, wei beim geniessen von etwas, bei der kreativität und im tiefen konzentrationszustand.

panzerung die erfahrungsabhängige entwicklung einer schützenden hülle aus muskelanspannung, die im laufe der zeit als antwort auf eine geschichte von bedrohung, angst und trauma gewachsen ist.

partizipatorische erinnerung gelebte wiederholungen persönlich wichtiger erfahrungen, die bisher noch nicht zu einer verbalen oder begrifflichen geschichte werden konnten; bewusste erfahrung in der gegenwart, die nicht von einer vergangenen erfahrung handeln, sondern vielmehr emotional erfahren werden.

posttraumatische belastungsstörung ein zustand der von einem extrem bedrohlichem ereignis ausgelöst wird.

ressourcen sind eine konstante und verlässliche präsenz im körper oder als sicher, stabil und unterstützend empfundene umgebung.

selbstkohärenz die empfindung, ein nichtfragmentiertes körperliches ganzes mit grenzen und einem ort intergrierter handlung zu sein.

selbstregulation im subjektiven emotionalen augenblick mit den eigenen emotionen klarkommen; eigene bedürfnisse und gefühle zeigen wie annäherung oder rückzug.

selbstwirksamkeit das gefühl von urheberschaft der eigenen handlungen. es beinhaltet ein gefühl von willenskraft, das einer handlung vorausgeht.

somatisierung die person bleibt den inneren empfindungen verhaftet, übertreibt ihre bedeutung und interpretiert sie als krankheit. sichere bindung eine form der beziehungsbindung bei der sich das kleinkind, das sich bedroht fühlt, nähe und trost bei den eltern sucht, leicht beruhigt werden kann und dann in der lage ist, sich wieder von den eltern zu lösen und sich anderer beschäftigung zuzuwenden.

unterdrückung ein abwehrmechanismus, bei der ein gefühl zugedeckt wird, sodass es nicht in die verkörperte selbstwahrnehmung gelangen kann.

unsicher-distanzierte und vermeidende bindung diese kinder zeigen ihren schmerz nicht. sie tun so, als sei alles in ordnung. der wunsch nach nähe wird erst gar nicht gezeigt, da er ohnehin nicht beantwortet wird. sie tun sich schwer, feste freundschaften zu pflegen. als erwachsene haben sie oft probleme mit nähe. sie lassen andere nicht an sich herankommen, weil sie angst vor enttäuschungen haben. viele idealisieren ihre eltern und haben eine negative sicht von ihren mitmenschen. zwischenmenschliche beziehungen und emotionalen bindungen haben für sie keine grosse bedeutung.

unsicher-ambivalente (verstrickte) bindung : diese kinder haben keine berechenbaren bezugspersonen. bei vorübergehenden trennungen schreien sie, aber wenn ihre bezugsperson da ist, reagieren sie aggressiv und wehren jegliche zuwendung ab. sie suchen gleichzeitig nähe und sind ärgerlich auf ihre bindungsperson, weil deren verhalten nie konstant ist. als erwachsene können sie intensive nähe zulassen und im nächsten moment davor flüchten. sie können bis ins detail aus ihrer kindheit berichten, aber in verwirrender weise. sie hadern immer noch mit den eltern.

desorganisierte bindung: kinder mit diesem bindungsstil wissen nicht, wie sie reagieren sollen. manchmal sind ihre bewegungen stereotyp und das geschehene wird nicht zusammenhängend berichtet. die meisten sind traumatisiert. sie wurden von der engsten bezugsperson ignoriert oder zur befriedigung derer bedürfnisse missbraucht. viele erleben sexuelle gewalt oder massive verwahrlosung. als erwachsene sind sie unzuverlässig und kaum berechenbar. die emotionale vernachlässigung kann viele folgen haben: häufige abwertende ausdrucksweise, primitive sprache, borderline- oder andere persönlichkeitsstörungen.

verkörperte selbstwahrnehmung die fähigkeit, uns selbst aufmerksamkeit zu schenken, unsere empfindungen, emotionen und bewegungen im gegenwärtigen augenblick ohne den vermittelnden einfluss von beurteilungen zu fühlen. sie setzt sich zusammen aus empfindungen ( wie warm, kribblig, weich, schwindlig), emotionen (wie glücklich, traurig, bedroht) und körperempfindungen (wie dem fühlen von koordination oder dem fehlen von koordination zwischen den armen und beinen beim schwimmen oder dem spüren unserer form und grösse (dick oder dünn) und dem spüren unser position in bezug zu objekten oder anderen menschen).

verlangsamung die bereitschaft, sich zu verlangsamen und sich zeit für den subjektiven emotionalen augenblick zu nehmen. darin verweilen und auf eigene körperempfindungen und auf schmerz oder verletzungen achten.

verleugnung ein abwehrmechanismus, der die unterdrückung der selbstwahrnehmung von möglicherweise schwerigen und schmerzhaften folgen der eigenen verkörperten erfahrung mit sich bringt. eine erfahrung der man sich bewusst ist.

verbindung und grenzen aufklären über die lage und verbindungen im körperschema innerhalb des selbst und zwischen dem selbst und anderen. ( empfindungsquellen im körper lokalisieren, defensive oder erstarrte körperhaltungen eröffnen, "verlorene" körperteile oder körperstellen (füsse und beine, becken und rücken) finden und fühlen, bewegungen koordinieren.)

psychologie die psychologie ist eine erfahrungsbasierte wissenschaft. sie beschreibt und erklärt menschliches erleben und verhalten, deren entwicklung im laufe des lebens sowie alle dafür massgeblichen inneren und äusseren ursachen oder bedingungen.
das wort psychologie leitet sich ab von griechisch psychologia (wörtlich: seelenkunde; psyche ,hauch';"seele";,gemüt' und -logie als lehre bzw. wissenschaft).



projektion allgemeine bezeichnung für das abbilden bzw. verlagern von empfindungen, gefühlen, wünschen, interessen (inneren vorgängen) in die aussenwelt. ein abwehrmechanismus, bei dem man eigene wahrnehmungen oder emotionen anderen unterstellt. "projektion" ist ein begriff aus der psychologie, demnach jemand bestimmte persönlichkeitsanteile, die man nicht als eigene anerkennt, in der aussenwelt und bei anderen personen wahrnimmt. das kann sowohl als etwas "gutes" (erstrebtes), als auch etwas "schlechtes" oer "böses" (abgelehntes) beinhalten.

übertragung und gegenübertragung

übertragung ist das erleben von gefühlen und haltungen gegenüber personen in der gegenwart, die ihren ursprung in der beziehung zu wichtigen personen aus der vergangenheit haben und unbewusst auf die neue soziale beziehung der gegenwart übertragen und reaktiviert werden.
hier richtet der klient bestimmte gefühle, erwartungen oder wünsche auf seinen therapeuten, die nicht so sehr dem therapeuten als person gelten, sondern eigentlich aus früheren beziehungserfahrungen des klienten herrühren.
die übertragung bedeutet das phänomen, dass der betroffene, emotionen aus anderen beziehungen, wie etwa liebe oder ärger den er für z.b. einen elternteil, geschwister oder andere wichtige bezugspersonen empfindet oder empfunden hat, auf den therapeuten überträgt.
gegenübertragung beschreibt die reaktionen des therapeuten und seiner gefühle er sie im direktem kontakt mit klienten empfindet und wahrnimmt.

*blinder fleck, die vermutung: zum blinden fleck gehören alle eigenschaften der person, die ihr selbst nicht bekannt sind, von anderen personen aber wahrgenommen werden. dabei handelt es sich um merkmale, die die eigene person aus physischen gründen nicht wahrnehmen kann, oder die er aus anderen gründen ausgeblendet hat, oder bewusst nicht sehen will. dieser bereich wird meist durch das nonverbale verhalten des betroffenen kommuniziert. in der kommunikation mit anderen personen kann ein grosser "blinder fleck" hinderlich sein, wenn inhalt, stimme und körpersprache widersprüchlich sind.
die arten des unbewussten: zum rechten unterem johari fenster (text pdf)

die selbstwahrnehmung ist die basis, für die selbsteinschätzung und für ein gesundes selbstbewusstsein. unter selbstwahrnehmung versteht man die fähigkeit, seine eigenen gefühle, emotionen, eigenschaften, motivationen und die persönliche ausstrahlung wahrzunehmen, zu erkennen und zu verstehen.
kohärenz ist die fähigkeit, die zusammenhänge des lebens zu verstehen, die überzeugung, selbst zu seiner gestaltung beitragen zu können und ein gefühl der sinnhaftigkeit. (aaron antonovsky 1923 - 1994)
selbstregulierung ist die fähigkeit, negative stimmungen und impulse bewusst wahrzunehmen sowie die ausgeprägte bereitschaft zuerst nachzudenken und erst dann zu handeln.
empathie ist die fähigkeit, die emotionale verfassung / stimmung anderer menschen verstehen und aktiv mitzufühlen.
umgang mit beziehungen ist die fähigkeit beziehungen und netzwerke aufzubauen, zu pflegen und auf dauer zu halten.
motivation ist die bereit- und leidenschaft, über extrinsische ziele hinaus zu engagieren, und die fähigkeit diese ziele mit energie und ausdauer zu verfolgen.

bibliographie: alan fogel, selbstwahrnehmung und embodiment (...) vom körpergefühl zur kognition.